
Erkennungsmerkmale für autistische Kinder
Unsichtbare Behinderung sichtbar machen: Sonnenblume, Buttons und Karten für autistische Kinder
„Man sieht es meinem Kind nicht an.“ Diesen Satz kennen viele Eltern von autistischen Kindern nur zu gut.
Gerade weil Autismus von außen häufig nicht sichtbar ist, interpretieren Außenstehende für sie untypische Verhaltensweisen schnell falsch. Ein Kind reagiert nicht auf eine Ansprache, zieht sich zurück, spricht plötzlich sehr laut, bekommt einen Meltdown oder verhält sich in einer Situation anders als erwartet – in der Folge bewerten Außenstehende dieses Verhalten möglicherweise als unhöflich, unerzogen oder provokant. Für Eltern kann das zusätzlich sehr belastend sein. Denn während sie versuchen, ihr Kind durch eine für beide schwierige Situation zu begleiten, müssen sie gleichzeitig erklären oder rechtfertigen, warum ihr Kind gerade so reagiert, fühlen sich beobachtet oder werden von fremden Personen in ihrer Reaktion und ihrem Verhalten hierauf bewertet.
In unserer Mein Herz lacht Community kam deshalb die Frage auf:
Gibt es eigentlich ein Erkennungszeichen, einen Button oder etwas Ähnliches für autistische Kinder?
Die Sonnenblume als Zeichen für nicht sichtbare Behinderungen
Ein inzwischen verbreitetes Symbol ist die Sonnenblume für „Hidden Disabilities“, also für nicht sichtbare Behinderungen und Beeinträchtigungen. Sie findet sich zum Beispiel auf:
- Schlüsselbändern
- Armbändern
- Anhängern
- Karten
- Ansteckern oder Buttons
Die Sonnenblume steht dabei nicht ausschließlich für Autismus. Sie kann von Menschen mit unterschiedlichen, nicht sichtbaren, Behinderungen, Erkrankungen oder Beeinträchtigungen genutzt werden. Die Botschaft dahinter ist grundsätzlich:
Diese Person könnte mehr Zeit, Verständnis, Unterstützung oder Geduld benötigen.
Das Problem: Wenige Menschen kennen dieses Symbol
Mehrere Eltern aus unserer Community berichten allerdings, dass die Sonnenblume allein häufig nicht ausreiche. Denn ein Symbol kann nur dann unmittelbar helfen, wenn andere Menschen seine Bedeutung auch kennen. Und genau das scheint im Alltag selten der Fall zu sein.
Eine Mutter schreibt deshalb sinngemäß, dass es ihr oft am meisten geholfen habe, einfach kurz zu sagen: „Mein Sohn ist Autist.“ Damit sei die Situation für Außenstehende häufig schneller verständlich gewesen.
Andere Familien nutzen zusätzlich zur Sonnenblume eine kleine Karte am Schlüsselband. Darauf kann beispielsweise stehen: „Ich bin autistisch. Bitte gib mir etwas Zeit.“
oder:
„Ich habe Autismus. Mein Verhalten kann in belastenden Situationen anders sein als erwartet.“
Auch Buttons oder Magnete mit kurzen Hinweisen wie „Ich bin Autist/Autistin – bitte sei geduldig mit mir“ können eine Möglichkeit sein.
Nicht jedes Kind möchte gekennzeichnet werden
So hilfreich solche Erkennungszeichen auch sein können: Sie sollten immer zum Kind beziehungsweise zum Jugendlichen passen. Manche Kinder empfinden einen sichtbaren Hinweis als entlastend. Sie müssen dann nicht selbst erklären, was gerade los ist, und Eltern können möglicherweise konfliktreiche Situationen schneller entschärfen und sind entlastet dadurch, dass sie nicht zusätzlich Außenstehenden Rechenschaft ablegen müssen oder sich beobachtet und bewertet fühlen in der für alle emotionalen Situation.
Andere möchten dagegen gerade nicht, dass ihre Diagnose für fremde Menschen sichtbar wird. Sie fühlen sich unter Umständen dadurch stigmatisiert und in eine Schublade gesteckt. Auch Scham ist hier ein Thema.
Deshalb gibt es nicht die eine richtige Lösung. Je nach Alter und Entwicklungsstand sollte das Kind möglichst mitentscheiden, ob und in welcher Form ein Hinweis verwendet wird. Eine kleine Karte, die nur bei Bedarf gezeigt werden kann, kann beispielsweise diskreter sein als ein dauerhaft sichtbarer Button.
Warum solche Hinweise trotzdem wertvoll sein können
Ein Erkennungszeichen löst natürlich nicht das eigentliche Problem: Noch immer fehlt vielen Menschen Wissen darüber, wie unterschiedlich Autismus aussehen kann und dass es sich hier keinesfalls um ein Erziehungsproblem handelt. Aber im konkreten Alltag kann eine kleine Information einen großen Unterschied machen.
Statt: „Das Kind benimmt sich aber schlecht.“ entsteht vielleicht der Gedanke: „Dieses Kind erlebt die Situation gerade anders. Vielleicht braucht es Ruhe, Abstand oder einfach etwas mehr Zeit.“
Und manchmal ist genau dieser Perspektivwechsel das, was Familien in einem schwierigen Moment brauchen.
Was wir uns wünschen
Langfristig sollte es eigentlich keinen Button brauchen, damit einem Kind mit Geduld und Respekt begegnet wird.
Nicht jedes ungewöhnliche Verhalten ist schlechte Erziehung. Nicht jedes Kind kann Erwartungen in einer belastenden Situation erfüllen. Und nicht jede Behinderung ist sichtbar.
Bis dieses Wissen allerdings selbstverständlich geworden ist, können Sonnenblumen-Schlüsselbänder, Karten oder Buttons für manche Familien eine hilfreiche Unterstützung im Alltag und in der Konfrontation mit Außenstehenden sein.
Vor allen anderen Dingen aber brauchen unsere Kinder eins:
Menschen, die nicht sofort über sie urteilen und sie bewerten, sondern erst einmal versuchen zu verstehen.

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